Die ersten Bauern

Klimaveränderung brachte bäuerliches Leben

Bandkeramische Tierplastik von Nieder-Weisel

Das im Flomborn-Stil verzierte "Schweinchen" von Nieder-Weisel ist eine bemerkenswerte schöne, fast vollständig erhaltene Kleinplastik eines der Haupthaustiere der Linearbandkeramiker. Gefunden wurde die Kleinplastik im Sommer 1963 beim Bau zweier Aussiedler-Höfe in Nieder-Weisel in der Flur 
"Die Speck".

 

Die Gesichtsdarstellung wurde 1956 bei einer Notbergung bei der Autobahnauffahrt A7 Butzbach-Kassel geborgen. Es ist ein massiver dreieckiger Henkel mit stilisiertem Menschengesicht und "einzigartig" für die Wetterau. Der Ton wurde mit organischem Material gemagert. Dies belegt, daß das Gefäß der älteren Bandkeramik zuzuordnen ist. Kleinplastiken werden meist mit Vorstellungen von Abbildern bäuerlicher Gottheiten aus dem Umkreis von Fruchtbarkeitskulten, Muttergottheiten, der Bedeutung der Viehzuvht oder anderen Vorstellungen (Ahnenkult) in Verbindung gebracht.

Die zwei Keramikfragmente stammen von großen dickwandigen Gefäßen, die durch die reiche plastische Verzierung auffallen. Gefunden wurden die Fragmente bei einer Notgrabung während des Baus der Autobahn 1936 im Bereich der Griedeler Autobahnbrücke.

Das Klima wurde vor 9 000 bis 8 500 Jahren wärmer und infolgedessen änderte sich auch die Vegetation. Die Hasel wurde vorherrschend und bot eine reiche Nahrungsquelle. Verbrannte Haselnußschalen belegen dies. Der Wald wurde immer dichter; das brachte sicher auch eine Veränderung des Wildtierbestandes mit sich. Die Zahl der mesolithischen Fundstellen wird kleiner. Vermutet wird eine andere Lebensweise, nämlich dass jetzt die Menschen an großen Flußläufen siedelten. Diese Stellen sind für die Forschung nicht zugänglich, weil meterdicke Ablagerungen dies verhindern. Es haben aber wirtschaftliche Änderungen stattgefunden, man kann dies an den Formen der Steingeräte ablesen: Verschiedene Arten der „Geschoßköpfe" und „Einsätze" verschwinden und an deren Stelle tritt die charakteristische „Pfeilbewehrung": das Trapez. Der große Vorteil an den Flußläufen zu siedeln war, dass man jetzt Fernkontakte aufnehmen konnte. Denn um die Mitte des 6. Jahrtausends v. Chr. wurde das westliche Mitteleuropa von bäuerlichen Neuerungen erreicht, die in Südfrankreich entstanden waren: Sehr wahrscheinlich kommen von dort zumindest Hinweise über die Domestikation von Schaf und Ziege und die Herstellung von Keramik. In Hessen gab es auf jeden Fall um 5 500 v. Chr. die erste bäuerliche Kultur. Die Lebensweise der nacheiszeitlichen Jäger und Sammler ging zu Ende, als die Bandkeramik aus ihrem östlichen Ursprungsgebiet zu uns kam. Innerhalb von zweihundert Jahren setzte sich die agrarische Wirtschaftsweise durch. Die Menschen dieser Zeit schafften in den dichten Wäldern sog. Rodungsinseln, wo sie ihre Holzhütten bauten, Gärten und Felder anlegten. Rinder und Schweine weideten im Wald, was eine allmähliche Lichtung bewirkte und so eine Kulturlandschaft entstehen ließ, die dem heutigen Landschaftsbild in etwa entspricht. Die Gründer der Bandkeramik lebten in kleinen Hofgruppen. Allmählich entstanden "größere zentrale Orte"; so konnte der Landesausbau fortschreiten. Die Bevölkerungszahlen stiegen mächtig während der 500-600 Jahre währenden Bandkeramik. Das Handwerk und die Wirtschaft brachten viele Neuerungen durch heranwachsende Spezialisten. Warum innerhalb von 100 Jahren diese blühende Kultur zerbrach, läßt sich nur auf eine Krise zurückführen.

Die Bandkeramik in Butzbach

Als 1936 bei Griedel die Autobahn gebaut wurde, stieß man während der Planierung der zukünftigen Trasse auf Verfärbungen, die Gruben einer vorgeschichtlichen Siedlung anzeigten. 1954 stieß man bei Bauarbeiten im Stadtbereich (Eduard-Otto-Straße, Königsberger-Straße, Aspenweg, Sudetenstraße und Lachenweg) von Butzbach auf ein ausgedehntes älterneolithisches Siedlungsgelände. Erforscht wurden eine größere Anzahl von Gruben und Teile von 4 Hausgrundrissen: Dabei kamen tausende von bandkeramischen Scherben und Steingeräte zutage.1956 hat man bei der Autobahnauffahrt A7 Butzbach-Kassel eine Notbergung vorgenommen: Dabei kamen Siedlungsstellen zutage, die am Übergang von der ältesten zur älteren Bandkeramik entstanden sind. Beim Bau eines Parkplatzes zwischen Autobahn und Autobahn-Auffahrt nach Frankfurt wurden 1987 weitere Gruben angeschnitten, die zur bandkeramischen Siedlung dort gehörten. Das bei einer Untersuchung 1956 geborgene Henkelstück eines Gefäßes mit einer darauf eingeritzten Gesichtsdarstellung war bei der Herstellung mit organischem Material (Heu, Stroh?) gemagert worden. Da die älteste und ältere Bandkeramik meistens organisch oder mit Sand gemagert wurde ist auch für Butzbach-Griedel das frühe Neolithikum belegt.

In der Butzbacher Gemarkung sind sehr viele Siedlungsplätze der bandkeramischen Kultur nach 1945 festgestellt und untersucht worden. K. Schumacher hat 1921 in einer Festschrift über Butzbach noch keine bandkeramischen Funde aufführen können. Vor 1945 wurden lediglich beim Kleinkastell Degerfeld und westlich des Hunneburgkastells vereinzelte bandkeramische Scherben gefunden. Außerdem sollen noch bei der Lehmgrube östlich der Stadt "glatte Scherben" gefunden worden sein, außerdem ein Hockergrab mit "rohen Scherben". 1957 wurde die Schrenzerschule gebaut, weitere Siedlungsstellen kamen dazu. Ebenso bei Hausbauten in der Umgebung von 1957 bis 1963.

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