Kulturgeschichtlicher Rundwanderweg, Archäologie, Geschichte und Natur, Hausberg und Brülerberg Alte Mauern, Mythen und Menschen
Auf den Spuren der Kelten
 

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Mögliches Aussehen des Wallgrabens mit einfachem Torhaus. Rekonstruktion:
D. Wolf

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Keltische Goldmünze vom Hausberg (Viertelstater der Mediomatriker);
keltischer Stamm aus dem Elsaß. Foto: D. Wolf

kelt2.jpg (96438 Byte)

Idealansicht des Butzbacher Raums in keltischer Zeit, Blick von Osten.
Zeichnung: D. Wolf

pfost.gif (13953 Byte)

So könnte der innerste Ringwall ausgesehen haben, eine so genannte
Pfostenschlitzmauer. Nach F.-R. Herrmann. Zeichnung: D. Wolf

kelt1.jpg (73062 Byte)

Wenig ist uns von der Sozialordnung der keltischen Bevölkerung rund um
Hausberg und Brülerberg bekannt. Häuptling, Handwerker, Druiden und
Bauern gehörten dazu.
Zeichnung: D. Wolf

Geurtel.jpg (33476 Byte)

Fragment eines bronzenen Gürtelhakens aus dem Ringwall des Brülerbergs,
Foto: W. Schunk

Plan der Wallanlagen auf dem Brülerberg nach D. Baatz.

Plan der Wallanlagen auf dem Hausberg nach F.-R. Herrmann

gott.gif (503517 Byte)

Keltische Götterbilder geben bis heute viele Rätsel auf,
Reliefplatte des Kessels von Gundestrup, Dänemark, aus dem
1. Jahrh. v. Chr.

 

glas.gif (37871 Byte)

Blaues Glasarmring-Fragment, um 120 v. Chr., Fundort:
Industriegebiet Butzbach-Ost. Foto: W. Schunk

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Griechen bezeichneten die Kelten als Barbaren. Die Römer übernahmen diese Bezeichnung, auch für die Menschen im Westen und Norden Europas: Griechisch Keltoi bzw. römisch Galli auch Galáter genannt. Niemand weiß bis heute, wer ihnen diese Namen gab und was sie bedeuten. Die Historiker Polybios (ca. 200-120 v. Chr. und Livius (59 v. Chr. -17 n. Chr.) waren maßgebend für die Überlieferung keltischer Geschichte. Beide waren überzeugt, dass die Kelten um 400 v. Chr. mit sehr vielen Menschen über die Alpen zogen und den Etruskern das Land wegnahmen.

Am äußersten Wall einer Höhenfestung

Befestigte Höhensiedlungen wie der Hausberg sind seit der Späthallstattzeit (ca. 650-475 v. Chr.) in großer Zahl bekannt. Damit gehört auch die Besiedlung des Hausbergs zur Zivilisation der Kelten. In der älteren Latènezeit (450-300 v. Chr.) war der Berg besiedelt.
Unter den Funden vom Hausberg befinden sich einige keltische Goldmünzen, darunter ein Viertelstater des im heutigen Elsaß beheimateten ostkeltischen Stammes der Mediomatriker. Dies weist darauf hin, dass der Berg nach 150 v. Chr. noch aufgesucht wurde: Man vermutet, dass er in dieser Zeit als religiöser Ort Bedeutung hatte. Eine heute mit modernen Grabungsmethoden durchgeführte Untersuchung im Innenbereich würde über Aufbau, Funktion und Bedeutung der Anlagen sicher Klarheit schaffen.
Die Hausberg-Wälle schließen eine Fläche von 12 Hektar ein. Der äußerste, heute abgeflachte Abschnittswall, führt in weitem Bogen in einer Länge von 430 m über den nordwestlichen Ausläufer des Hausbergs. Er war nur wenig ausgebaut und folgte einer mäßig starken Geländekante. Seiner Vorderseite war ein flacher Graben vorgelegt. Im Nordosten befand sich ein Eingang, da an einer Einsenkung der Geländestufe auch der Wall aussetzt. Ein zweites Tor wird im Nordwesten vermutet. Dort sind Wall und Graben auf einer Breite von 7 m unterbrochen. Die Befestigungsanlagen vom Hausberg sind seit 1730 der Forschung bekannt. Der Archäologe Dr. Ferdinand Kutsch (1889-1972) legte 1911/12 zwei Suchschnitte an, die aber über den Aufbau des Abschnittwalls keine Hinweise gaben. Wahrscheinlich handelt es sich um einen einfach gesetzten Erdwall.

Die Burg der Kelten

Der innere Abschnittswall des Hausbergs besitzt eine Länge von 260 m und zieht sich quer über den Nordwestabhang. Er folgt einer natürlichen Geländestufe und ist mehrfach geknickt. Heute erkennt man von innen keine Erhöhung des Walls mehr.
Eine flache Grabenmulde ist dem Wall durchgehend vorgelagert, von der aus eine Wallhöhe von 3 m erreicht wird. Er endet im Südwesten und Nordosten, wo auch die Geländestufe ausläuft. Die Geländekante ist hier nur noch 1,5 m hoch.
Ungefähr in der Mitte der Wallstrecke befand sich wahrscheinlich ein Durchgang, wohl ein kleines Tor. Der Wall war genau so aufgebaut wie der nächstfolgende Ringwall. Der Ausgräber Ferdinand Kutsch legte hier 1911/12 zwei Wallschnitte an. Er konnte eine 2,5 m starke Mauer feststellen. Reste von verwendetem Holzwerk kamen nicht ans Licht. Im Nordosten des Walls und nahe des Wallendes befand sich vermutlich ein weiteres Tor.

Die mächtigste Befestigung des Bergs

In seiner größten Ausdehnung besitzt der ovale Ringwall des Hausbergs eine Länge von 360 m und eine Breite von 250 m. Er ist somit die mächtigste Befestigung des Hausbergs. Im nördlichen Teil ist der Wall am besten erhalten. Die Nordostecke ist im spitzen Winkel ausgebildet. Der Wall hat heute noch eine Höhe von 1,5 m. Vor dem Wall ist eine flache Grabenmulde sichtbar.
Am Hang unterhalb der Nordostrundung des inneren Walls liegt das einzige, heute noch deutlich erkennbare Tor. Es hat, durch das Gelände bedingt, gegeneinander versetzte Wallenden, von denen aus kurze, abknickende Wallstücke eine Toranlage von etwa 6 m Breite erkennen lassen. Die starke Feuchtigkeit in der Nordostecke des Ringwalls deutet darauf hin, dass hier während der Besiedlung des Bergs eine Quelle oder eine Zisterne vorhanden war, die die Wasserversorgung sicherte. In diesem Bereich sind auch Keramikfunde gemacht worden.
Der Ausgräber Kutsch hat 1911/12 zur Klärung der Bauart des Walls die Nordostecke freigelegt und dabei auch die im Wall stehende Mauer geschnitten. Ein weiterer Schnitt durch die Nordseite erbrachte folgenden Befund: Die Mauer war 3 m breit. Ihre Vorder- und Rückfront besteht aus Quarzitsteinen und Schieferplatten, die in Trockenmauertechnik mit Lehm etwa 0,25 m stark ausgeführt wurden. Der Zwischenraum war teils mit Steinen, teils mit Verwitterungsschutt des anstehenden Gesteins aufgefüllt. Holzeinbauten wurden nicht festgestellt.

Der obere Ringwall: Pfostenschlitzmauer aus Holz, Steinen und Erde

Der obere Ringwall des Hausbergs verläuft am Hang unterhalb der Kuppe. Er schließt ein Oval von rund 110 m zu 170 m ein und paßt sich dem Verlauf der Höhenlinien an. Im Nordwesten folgt er einer natürlichen Geländestufe und ist hier am relativ steilen Hang nur noch als Terrasse ausgebildet. Sonst erscheint er als flacher Wall, im Osten und Süden ist er fast zerstört. Der obere Bereich ist bei den Planierungsarbeiten des Plateaus 1966/67 durch eine amerikanische Funkeinheit an mehreren Stellen in Mitleidenschaft gezogen worden: Bei der Planierung des Plateaus wurden Erde und Gestein über die Kuppe hinaus geschoben, so dass Erde und Geröll das alte Niveau überdecken. In dieser Schicht findet man heute noch keltenzeitliche Siedlungskeramik.
Ferdinand Kutsch hat an der Nordseite 1911/12 zwei Suchschnitte angelegt und folgende Befunde dokumentiert: Die Außenfront der heute im Wall steckenden Mauer war eine etwa 0,5 m breite Wand aus Steinen und Lehm mit einem Holzwerk aus senkrechten und waagrechten Balken. Man spricht hierbei von einer „Pfostenschlitzmauer", da die aus Holz, Steinen und Erde gebaute Mauer durch miteinander verbundene Holzpfosten zusammen gehalten wurde. Dieser Hausberg-Wall entspricht in seiner Konstruktion den latènezeitlichen Ringmauern auf dem Altkönig im Taunus und Preist, Kreis Bitburg. Die Rückfront des Walls hat Kutsch nicht gefunden. Auch war keine Toranlage zu erkennen. Ihr Standort wird im Osten oberhalb des Tors des zweiten Walls vermutet.

Wer lebte auf der keltischen Burg?

Das Gipfelplateau des Hausbergs hat einen Durchmesser von rund 60-80 m. Es fällt nach allen Seiten steil ab und war offenbar in keltischer Zeit nicht befestigt.  Auf dem Plateau wurden bei Begehungen als Oberflächenfunde Scherben der Urnenfelderzeit (um 800 v. Chr.) gefunden. Ferdinand Kutsch hat auf seinen Keramik-Zeichnungen von 1911/12 urnenfelderzeitliche Scherben abgebildet.
Die Hausbergkuppe ist in den Jahren 1966/67 ohne Kenntnis der Denkmalpflege durch eine amerikanische Funkeinheit planiert und verändert worden. Ein nicht näher bekanntes Wallstück, das am Ostrand des Plateaus gelegen haben soll, lässt sich seitdem im Gelände nicht mehr erkennen.
Über Aufgabe und Funktion der Hausberg-Befestigungen in keltischer Zeit können nur Vermutungen angestellt werden. Es handelt sich nicht um eine städtische Siedlung (oppidum). In der Burg wohnte eine Führungsperson mit Familie, die das umliegende Gebiet mit seinen kleinen Dörfern und Weilern beherrschte.

Die Kelten im Tal - Dörfer und Weiler

Entwicklung, Dauer und Ende der Siedlungen auf dem „flachen Land" unterlagen - im 5. Jh. v. Chr. - anderen Rhythmen als die befestigten Burgen der Aristokratie der Späthallstattzeit.
In den letzten Jahrzehnten wurden vermehrt dörfliche Anlagen archäologisch erfasst, die bereits in der frühen Hallstattzeit (um 800 v. Chr.) beginnen, sich in die späte Hallstattzeit (5. Jh. v. Chr.) fortsetzen und bis weit in die frühe und mittlere Latènezeit hineinreichen.
Charakteristisch für die topographische Lage der keltischen Dörfer und Weiler sind sanfte Hänge inmitten fruchtbaren Ackerlandes, meist wenig oberhalb von Bächen oder Flüssen. Sofern vorhanden, wurden gelegentlich auch günstige Höhenlagen gewählt. Im Verlauf der mehr als 300 Jahre dauernden Besiedlung entstanden in lockerer Bebauung Weiler mit mehreren kleineren und größeren Häusern.
In Butzbach gab es eine solche Besiedlung östlich der Stadt (Industriegebiet) bis nach Griedel. Bewahrt haben sich nur die in den Löß eingelassenen Gruben mit bis zu 2 m Tiefe. Sie dienten primär der Vorratshaltung und wurden später, wenn sie zu verfallen begannen, als Abfallgruben benutzt. Webgewichte und Spinnwirtel belegen die Textilherstellung in Grubenhäusern. Diese besaßen Ausmaße von 2 bis 4 m Länge und 2 bis 3 m Breite. Die Wohnhäuser waren ebenerdig und in ihren Ausmaßen größer als die Grubenhäuser. Die Fußböden waren oft mit Lehmschollen festgestampft und enthielten stets eine Feuerstelle. Die Wände bestanden aus mit Lehm bestrichenem Flechtwerk. Zwischen den Häusern lagen die Kegelstumpfgruben zur Vorratshaltung, wie z.B. auf dem Riedberg bei Ober Hörgern.

Brülerberg und Hausberg, zwei vorgeschichtliche Festungen

Die Befestigungen beider Berge haben nicht gleichzeitig bestanden. Der Brülerberg ist ein Teil des Hausbergmassivs, er ist als eine jüngerlatènezeitliche Höhensiedlung anzusprechen. Beide Berge sind durch einen langen, von Nordosten nach Südwesten streichenden Sattel verbunden. Wie auf dem Hausberg sind auch auf der Kuppe des Brülerbergs mehrere Wälle und Gräben bis heute deutlich erkennbar. Gekrönt wird die Kuppe des Bergs von einem Ringwall, dem zwei Abschnittswälle im Norden bzw. Osten vorgelegt sind. Der längere Abschnittswall des Berges mißt etwa 600 m und wurde in keltischer Zeit, in der sogenannten Latènezeit erbaut (jüngerlatènezeitliche Höhensiedlung). Ein größeres Fragment einer latènezeitlichen Schale ist im Bereich dieses Abschnittswalles gefunden worden. Auch ist auf der Bergkuppe ein Bruchstück eines Mahlsteins aus Basalt zutage gekommen. Der kürzeste Wall ist etwa 100 m lang. Er steht vermutlich in Beziehung zum Ringwall an der Bergkuppe. Der Ringwall ist in keltischer Zeit entstanden. Er hat einen größten Durchmesser von 220 m und ist mit mehreren scharfen Ecken und winkligen Abschnitten trassiert. Ein Eingang lag vermutlich am Vorsprung des Walls der Ostseite. Die Entstehung der Anlage auf dem Brülerberg wurde bisher in der Fachliteratur im Frühmittelalter (8. oder 9. Jh. n. Chr.) angenommen: Es gibt keinen Hinweis, dass die keltische Anlage im Frühmittelalter weiter genutzt wurde.
Aufgrund jüngster Funde von Metallgegenständen, Keramik, einer Fibel und einem Scheibenhalsring, spätrömische Münze (Massalia), flacher, leicht kielförmiger Mahlstein, Hallstattfibel, latènezeitliche Eisenfunde (Herdschaufel, Tüllenbeil), und einem Fragment eines bronzenen Gürtelhakens ist die Anlage auf dem Berg noch gegen Ende der keltischen Epoche (ca. 150-80 v. Chr.) besiedelt gewesen. Das erwähnte Fragment eines Gürtelhakens wurde am Tor des Ringwalls gefunden.

Nur ein kurzes Stück

Wir stehen am Wallende des kürzesten Brülerberg-Walls. Mit etwa 100 m Länge ist dieser Abschnittswall - er bildet also keinen rundumlaufenden Befestigungsring - zwar relativ kurz, dafür ist er jedoch als künstlich aufgeworfenes Befestigungswerk um so mächtiger. Außerdem deuten Verlauf und Wallende im Osten auf einen direkten baulichen Zusammenhang mit dem Ringwall, dem „Kernwerk" des ehemaligen befestigten Berges.
Beim Bau auch dieses Walls wurde das ansteigende Gelände geschickt ausgenutzt. Durch das Ausheben des relativ breiten Grabens wurde das ansteigende Gelände durch den Aushub noch weiter erhöht. Hier, am westlichen Wallkopf, beträgt die Grabenbreite (gemessen von der Grabenböschung bis zur Wallkrone) noch immer etwa 12,5 m. Die Wallkrone erhebt sich dabei etwa 4,5 m über die Grabensohle, sie liegt rückwärtig nur 1 m über dem weiter zur Bergkuppe hin ansteigenden Gelände.

Die Wälle vom Brülerberg

Friedrich Kofler (1830-1910), Streckenkommissar der Reichslimeskommission am Ende des 19. Jahrhunderts, berichtet, dass die Ringwälle auf dem Brülerberg erst seit 1881 wissenschaftlich bekannt seien: „Die Befestigungen auf dem Brüler berge bestehen aus einem ovalen Hauptwalle von 708 Schritt Umfang und zwei bogenförmigen Vorwällen von 332, resp. 290 Schritt Länge. Die Vorwälle sind fast durchweg, der Hauptwall auf der Angriffseite mit einem vorliegenden Graben versehen. Die Verhältnisse des einen Walles sind: Höhe 1,50, Sohlenbreite 11,10, Grabenbreite 15,80, Tiefe 2,80 m. Vor zwei Jahren waren die Bollwerke des Brüler Berges noch nicht bekannt. Herr Lotz in Frankfurt machte mich zuerst auf Befestigungen daselbst aufmerksam." Kofler hat die Ringwälle später noch mehrmals erwähnt und in seiner „Archaeologischen Karte des Großherzogtums Hessen" eingetragen.
 

Die jüngerlatènezeitliche Besiedlung in der nördlichen Wetterau –
einbezogen Hausberg und Brülerberg

Die östlichen Taunusausläufer Hausberg und Brülerberg bei Butzbach-Hoch Weisel, der Johannisberg bei Bad Nauheim und die Heidetränke bei Ober-Ursel bilden eine natürliche Grenze der sehr fruchtbaren Wetterau. Der Glauberg bei Büdingen gehört zu den Ausläufern des Vogelbergs in der südöstlichen Wetterau.
Die genannten Höhen waren in der Latènezeit (475 v. Chr.  bis um Chr. Geburt) zeitlich unterschiedlich befestigt und sicher Verwaltungssitze einer Oberschicht, die auf die offenen keltischen Siedlungen im Flachland Bezug nahmen. Die Hinterlassenschaften der Kelten im 2. und frühen 1. Jahrhundert v. Chr. in der „nordmainischen Provinz“ Wetterau machen eine Lebensweise städtischen Charakters sichtbar (Oppidakultur).
Zu dieser Zeit bestehen viele verschiedene Siedlungstypen.
Die Höhensiedlung auf dem Hausberg steht in Tradition der älteren Anlagen im Mittelgebirge seit der Späthallstattzeit: Sie existierte in der Zeit LT A – LT B: um 475 bis um 275 v. Chr.: Zwei Fragmente von Glasarmringen der frühesten Produktionsserie, die sehr wahrscheinlich in der Gegend südlich der Donau produziert wurden, zeigen ein Ende der Höhensiedlung Hausberg am Beginn der Mittellatènezeit (LT  C1a = 275 v.Chr.) an. Anscheinend wurde die Siedlung auf dem Hausberg im ausgehenden 3. Jahrhundert v. Chr. ganz aufgegeben. Nur Grabungen können Klärung bringen.
Es bestehen zu dieser Zeit in den Niederungen viele offene Siedlungen, herausragend die Saline in Bad Nauheim. Dies macht deutlich, dass die Wetterau wirtschaftlich zur Oppidakultur hin strebt. Bad Nauheim ist zu dieser Zeit ein „hochspezialisiertes Produktionszentrum“. Dass der wirtschaftliche Überschuss der Region, wie z.B. die Salzgewinnung in Bad Nauheim, einer starken Führung bedurfte, dürfte unbestritten sein.
Nach der Aufgabe des Hausbergs im ausgehenden 3. Jahrhundert v. Chr. hat die Besiedlung in offenen Ansiedlungen weiter bestanden. Gleich danach beginnt die Besiedlung des Heidetränkoppidums. Es besteht sicher ein Zusammenhang zwischen der Aufgabe des Hausbergs und der allmählichen Aufsiedlung und dem Ausbau der Heidetränke; eine voranschreitende „Einbeziehung der Wetterau in die oppidale Wirtschaftweise“ macht sich bemrkbar.
Um 100 v. Chr. erreicht diese Entwicklung ihren Höhepunkt. Die im 2. Jahrhundert v. Chr. in der Wetterau geborgenen Viertelstatere, es sind Goldmünzen und werden den Mediomatrikern zugeschrieben, fehlen auf der Heidetränke. Auf dem Hausberg tauchen einige solcher Goldmünzen auf: Dies besagt, dass der Hausberg offensichtlich aus uns unbekannten religiösen Praktiken zu dieser Zeit aufgesucht worden ist. Auf dem Hausberg wurde seither kein typisches Fundgut der Oppidakultur geborgen. Die keltische „Siedlungslandschaft“ sieht im ausgehenden 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. wie folgt aus: Die Salzsiedeproduktionsstätte in Bad Nauheim blüht. Die keltische „Oberburg“ auf dem Johannisberg sichert die Salzproduktionsstätte im Tal und wird evt. als Refugium genutzt.
Es besteht das Heidetränkoppidum, u. a. mit Gewerbebetrieben und den befestigten Höhensiedlungen auf dem Glauberg und dem Brülerberg: Geborgene Metallgegenstände, Keramik, eine Fibel Beltz Variante J (weitere Funde siehe unter
Brülerberg und Hausberg, zwei vorgeschichtliche Festungen) unterstreichen dies für den Brülerberg bei Butzbach-Hoch Weisel. Es existierten zahlreiche offene Siedlungen, die einen Überschuss an landwirtschaftlichen Produkten aufzuweisen haben. Außerdem bestehen noch „spezialisierte Gewerbe“ in Bad Nauheim und auf der Heidetränke.
Man kann damit rechnen, dass bei zukünftigen Grabungen in der Wetterau Befunde  ans Tagelicht gelangen, die sich mit festgestellten Befunden im Rheinland und dem unteren Neckargebiet gleichen: nämlich befestigte jüngerlatènezeitliche Gehöfte oder Dörfer.
Im Jahr 2002 wurde südöstlich von Butzbach damit begonnen, das von der Stadt Butzbach angekaufte Areal von „Aldi“ mit einem Logistikzentrum zu bebauen. Vor Beginn der Bebauung wurde das Gelände archäologisch untersucht; es wurden mehrere Suchschnitte angelegt. Befunde und Funde kamen reichlich zu Tage, u. a. viele Pfostengruben, die man aber einzelnen Gebäuden nicht zuordnen konnte: Trotzdem ließen sich keine befriedigenden Ergebnisse der vorgeschichtlichen Besiedlung erbringen. Dies ist wahrscheinlich darauf zurück zuführen, dass keine großflächigen Untersuchungen stattfanden. Beim Herrichten des Baugrundes wurde bis auf einige kleinere Flächen der Mutterboden beseitigt. Es entstand ein relativ sauberes Planum, das die vorgeschichtlichen Bodeneingriffe sichtbar machte. Auch die Luftaufnahmen vom Gelände machten die Eingriffe in den gewachsenen Boden sichtbar. Bei der fortschreitenden Bebauung des Geländes kamen beim Ausheben eines Grabens für die Kanalisation Hinweise auf einen tiefen Brunnen zutage, der durchaus zu einem keltischen Gehöft oder Weiler gehört haben könnte. Weitere spätkeltische Siedlungskeramik ist zurück liegend bei der Bebauung des Industriegebiets Ost geborgen worden.

Literatur:
Mathias Seidel, Die jüngere Latènezeit und ältere Römische Kaiserzeit in der Wetterau, Fundberichte aus Hessen, 34./35.Jahrgang, 1994/95. - Sabine Rieckhoff, Kelten, Römer, Germanen, Antike Welt, 5/2012. - Gail und Winfried Schunk, Siedlungen der Vor- und Frühgeschichte in Butzbach und seinen Stadtteilen, Butzbacher Hefte 5, Butzbach 1996. - Janine Fries-Knoblach, Die Kelten, Stuttgart 2002. - Gail Schunk-Larrabee, Winfried Schunk, Eine jüngerlatènezeitliche Höhensiedlung - neue Funde vom "Brülerberg" bei Hoch-Weisel, hessenARCHÄOLOGIE 2009.